29.9.1951
Herrn D[okto]r Stijn Streuvels
Ingoyghem b[ei] Kortrijk
Het Lijsternest
Mein hochverehrter lieber Herr D[okto]r Streuvels!
Es ist mir überaus schmerzlich, dass ich Ihnen meine eigenen und meiner Familie Glückwünsche zum 3. Oktober, sowie die meiner Mitarbeiter nicht persönlich überbringen kann, und so muss ich Sie bitten, mit diesem Brief vorlieb zu nehmen.[1] Möge er Ihnen sagen, wie herzlich unsere Gefühle gerade an diesem Tage Ihnen zufliegen, den wir als einen Festtag für uns selbst empfinden; unsere innigen Wünsche gelten Ihnen, Ihrer Gesundheit, und zugleich auch dem schönen Kreis Ihrer verehrten Familie.
Wenn man sich das Wunder Ihrer Frische in diesen hohen Jahren vergegenwärtigt und nach der Wurzel sucht, so wird man bald gewahr, dass sie eben ein Ausdruck Ihrer grossen Schöpferkraft überhaupt ist; nichts erhält ja Geist und Seele so jung, als wenn der Mensch nur für eine Idee lebt und wenn ihm das Echo der Mitwelt gleichgültig ist. Wenn er aber, wie Sie, auch noch von der Verehrung, Bewunderung und Liebe der ganzen Kulturwelt getragen wird, so mag ihn das auch mit dem oft so unerfreulichen Bild einer verworrenen Gegenwart versöhnen.
Darf ich bei dieser Gelegenheit nocheinmal sagen, wie stolz ich darauf bin, Ihr deutscher Verleger sein zu dürfen; ich betrachte es nicht nur als meine Pflicht, sondern als eine meiner schönsten Freuden, Ihr grossartiges Lebenswerk zu betreuen, das meiner festen Überzeugung nach all die so laut beschriebenen Tageserfolge einer konstruktivistischen oder sensationsgierigen Literatur überdauern und immer zur grossen Weltliteratur zählen wird.
Zur Erinnerung an diesen Tag darf ich Ihnen durch Fräulein Isa ein Paket überreichen lassen, bei dessen Inhalt ich besonders an Ihre herrliche Hausbücherei gedacht habe, die durch Plünderer so schwer gelitten hat.[2] Hoffentlich habe ich Ihren Geschmack ein wenig getroffen.
Die Neuausgabe des FLACHSACKER wird heute fertig und wir werden in der kommenden Woche ausliefern können. Die Werbung in der Presse und im Rundfunk läuft auf hohen Touren und Sie werden dann die Belege erhalten, sobald sie bei uns eingegangen und registriert sind.
Mit mehr Mitteilungen will ich diesen Brief nicht belasten. Bleiben Sie gesund und uns recht lange erhalten.
In herzlicher treuer Verehrung
Ihr stets ergebener
(handtekening Adolf Spemann)
zugleich im Namen seiner Familie und seiner Mitarbeiter
(handtekening Adolf Spemann)
zugleich im Namen seiner Familie und seiner Mitarbeiter
STUTTGART
29.9.51
Herrn
D[okto]r Stijn Streuvels
Het Lijsternest
Ingoijghem b[ei] Kortrijk
Belgien
D[okto]r Stijn Streuvels
Het Lijsternest
Ingoijghem b[ei] Kortrijk
Belgien
Annotations
[1]
Stijn Streuvels werd op 3 oktober 1951 80 jaar.
[2]
Op 10 mei 1940 brak de Tweede Wereldoorlog uit. Reeds op 20 mei werd het Lijsternest voor het eerst door granaten getroffen. L. Schepens, Kroniek van Stijn Streuvels, p. 108 De ravage was aanzienlijk: Al vaders boeken lagen den grond op, schreef Dina Lateur aan Kitty de Josselin de Jong, z'n 800 Leicafilmen waren ontrold en rondgestrooid. Stapels foto's lagen in de bruine suiker, met jam eronder vermengd. 'n Groote pot opgelegde boter had men in de hall aan stukken geslagen en daarin had men al het naaigerief gesleurd, tafellakens, enz. enz. Al het gesteriliseerd fruit en groenten had men in 't gras uitgegoten, gebroken eieren in de schoenen en over dat alles wijn en wijnflessen en tomatenpuree, enz.enz. Verder heel veel boeken, huisraad en kleederen gestolen, tot zelfs al onze matrassen.' Brief van Dina Lateur aan Kitty de Josselin de Jong d.d. 20 augustus 1940 uit de collectie van en geciteerd door Gé Vaartjes. Zie: Gé Vaartjes, U hebt mij den weg gewezen. Brieven van Herman de Man aan Stijn Streuvels, p. 117









