den 14.1.1955
Herrn D[okto]r Stijn Streuvels
Het Lijsternest
Ingooigem-Belgien
bei Kortrijk
Mein lieber hochverehrter Herr D[okto]r Streuvels!
Haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihren prächtigen ausführlichen Brief vom 5.1.[1] Es war mir eine besonders große Freude, Ihre eigene Handschrift in so großer Frische und Schönheit wiederzusehen, und ich freue mich sehr, daß bei Ihnen alles gut geht.
Es ist mir nur sehr peinlich, daß Sie und Ihr Schwiegersohn solche Unannehmlichkeiten mit dem Bücherpaket gehabt haben. Das ist mir vollkommen unverständlich, denn wir hatten ausdrücklich außen auf die Verpackung den Vermerk "Unverkäufliches Freiexemplar" angebracht. Das nächste Mal werden wir kein Paket schicken, sondern solche Sendungen auf mehrere "Drucksachen" verteilen, wodurch dann das Mißtrauen des Zollamts in Kortrijk beschwichtigt werden wird.
Heute sende ich Ihnen nun die Abrechnung für das 4. Vierteljahr 1954, die ein Honorarguthaben von D[eutsche ]M[ark] 48.74 ausweist. Wie Sie aus der Abrechnung sehen, hat Radio West-Berlin eine Sendung aus dem Flachsacker gebracht. Der Ertrag gehört Ihnen ganz und steht daher auch auf der Abrechnung.
Frau Demey schrieb mir einen ganz reizenden langen Plauderbrief, über den ich mich herzlich gefreut habe.[2] Ich bin nur noch nicht dazu gekommen, ihn zu beantworten, werde dies aber bald tun. Es ist mir immer eine besondere Freude, von der reizenden Frau etwas zu hören. Es ist nun schon wieder über 12 Jahre her, daß ich sie kennengelernt habe.
Wie schön wird das Zusammensein mit der ganzen Familie in Lijsternest gewesen sein und ich kann mir vorstellen, welch lustiger Lärm da geherrscht hat. Die Großeltern pflegen so etwas stets außerordentlich zu genießen und sich dann nachher ebenso sehr der Ruhe zu erfreuen.
Nun lassen Sie es sich wohlergehen und grüßen Sie bitte Ihre verehrte Gattin sehr herzlich
Stets treu ergeben
Ihr
(handtekening Adolf Spemann)
Anlage (handtekening Adolf Spemann)
Abrechnung
Annotations
[1]
Cf. brief van Stijn Streuvels aan Adolf Spemann d.d. 5 januari 1955.
[2]
Deze brief vonden we niet terug in de geraadpleegde archieven.









