den 14.7.1955
Herrn
D[okto]r Stijn Streuvels
Het Lijsternest
Ingoyghem-Belgien bei Kortrijk
Hochverehrter lieber Herr D[okto]r Streuvels!
Ich schulde Ihnen noch Dank für Ihren liebenswürdigen Brief vom 25.4., über den ich mich ganz besonders gefreut habe,
[1] und möchte damit gleich die Übersendung der Abrechnung für das zweite Vierteljahr 1955 verbinden.
[2]
Ja, leider hat sich der Absatz in der letzten Zeit nicht sehr günstig entwickelt. Die Gangbarkeit von "
Des Lebens Blütezeit" und der
Ausgewählten Werke hatte so stark nachgelassen, daß auf normalem Wege der Absatz völlig eingeschlafen wäre. Wir mußten daher unbedingt eine Gelegenheit benützen, um einem bekannten Aufkäufer von Restauflagen den größeren Teil der Rohvorräte dieser beiden Werke zu verkaufen, auch wenn dies für uns natürlich mit einem Verlust verbunden war. Auf diese Weise kommen aber diese herrlichen Werke wenigstens unter die Leute, denn der Aufkäufer, die im deutschen Buchhandel sehr bekannte und reelle Firma Löwit in Wiesbaden,
[3] wird nun die erworbenen Rohbestände billig aufbinden und zu sehr stark ermäßigten Preisen verkaufen.
Ein gewisser fertig gebundener Restbestand der beiden Titel ist nach wie vor bei uns und wird nach wie vor verkauft.
Die Abrechnung weist, wie Sie sehen, ein Guthaben von D[eutsche ]M[ark] 205.66 aus.
Herr
Kövari bemüht sich ja um eine Unterbringung bei
Desch und hat uns deswegen geschrieben; wir bleiben mit ihm in Fühlung.
[4]
Sehr interessiert hat mich natürlich, daß Sie wieder auf die Beziehungen Goethes zu Dannecker zu sprechen kommen. Ich freue mich, daß mein altes Buch Ihnen bei dieser Gelegenheit ein wenig Anregung gegeben hat. Die Künstler des Klassizismus, zu deren bedeutendsten Vertretern Dannecker ja gehört, sind heute zwar völlig vergessen, aber wenn die Menschheit sich einmal an abstrakter Plastik sattgesehen hat, werden sie wieder entdeckt werden, so z[um Beispiel] auch Schadow und Rauch; die Erde dreht sich schnell.
[2]
Schönen Dank auch für die Übersendung des interessanten Zeitungsausschnittes.
Ich hoffe nun sehr, daß es Ihnen und den lieben Ihrigen gut geht. Ich selbst habe eine Badekur in Wildbad im Schwarzwald mit recht gutem Erfolg absolviert und auch bei der Familie geht es einigermaßen zufriedenstellend.
Seien Sie in alter Verehrung und mit den herzlichsten Wünschen gegrüßt. Meine Familie schließt sich an.
Stets Ihr
(handtekening Adolf Spemann)
(Dr. Adolf Spemann)
Anlage
Abrechnung
Annotations
[2]
Deze afrekening bedroeg 205,66 DM.
[3]
De firma Löwit was in 1883 opgericht als grootantiquariaat, dat restoplagen opkocht en goedkop doorverkocht aan o.m. grootwarenhuizen.
[4]
Bij deze brief worden drie afschriften bewaard uit de briefwisseling tussen Engelhorn Verlag en de uitgeverij Kurt Desch uit München.
Op 3 oktober 1955 schrijft Adolf Spemann aan de mensen van de uitgeverij Kurt Desch het volgende: Wie mir Herr Heinz P. Kövari in Wien mitteilt, hat er mit Ihrem dortigen Vertreter Herrn Dr. Leber wegen einer etwaigen Lizenzausgabezweier in meinem Verlag erschienenen Werke von Stijn Streuvels verhandelt, nämlich wegen KNECHT JAN und DER FLACHSACKER. Die Angelegenheit läuft schon längere Zeit, ist aber aus irgendwelchen Gründen nicht weiter gediehen, so daß ich mir erlaube, unmittelbar an Sie zu schreiben, damit ich dem Dichter bescheid geben kann. KNECHT JAN ist vom 1. Jan. 1956 ab für Lizenzausgaben verfügbar, FLACHSACKER schon heute. Wie mir Herr Kövari schrieb, hat Herr Dr. Leber eine Lizenzgebühr von DM -.10 bei einer garantierten Mindestauflage von 50.000 Stücken in Ihrer Reihe "Die Welt im Buch" geboten. Ich könnte mich bei KNECHT JAN mit diesem Betrag einverstanden erklären, nicht aber bei FLACHSACKER, denn dieser Roman gehört zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur und hier müßten Sie mindestens DM -.15 bewilligen.
Drie dagen later, op 6 oktober, reageerde H.J. Mundt van uitgeverij Desch als volgt: Die Verhandlungen unseres Herrn Dr. Leber mit Herrn Kövari in Wien wegen der eventuellen Übernahme eines Werkes von Stijn Streuvels stehen noch in einem Vorstadium. Bevor wir ein konkretes Angebot unterbreiten können, ist es notwendig, daß wir die beiden zur Diskussion stehenden Werke KNECHT JAN und FLACHSACKER noch einmal von unserem Lektorat überprüfen lassen. Ich schlage vor, daß Sie uns die beiden Titel einmal zukommen lassen. Wir wollen Ihnen dann anhand der Lektüre gern unsere Vorschläge unterbreiten. Op 8 oktober bedankt Spemann mijnheer Mundt voor diens brief en verklaart zich bereid 'Prüfstücke' ter beschikking te stellen. Hij vervolgt: Der Einfachheit halber sende ich Ihnen die Ausgewählten Werke des Dichters in 2 Bänden, in denen Sie sowohl KNECHT JAN als den FLACHSACKER finden werden, außerdem aber auch andere hochbedeutende Werke des Dichters.